Grundlagen der Volkswirtschaftslehre

1 Die 10 Regeln der Volkswirtschaft

Regel 1: Alle Menschen stehen vor abzuwägenden Alternativen
Lauter Zielkonflikte. Z.B. zwischen Effizient und Gerechtigkeit. Effizienz bedeutet, dass die Gesellschaft aus ihren knappen Ressourcen das meiste herausholt. Gerechtigkeit bedeutet, dass der Nutzen aus jenen Ressourcen fair unter den Bürgern verteilt wird. Effizient betrifft die Größe des ökonomischen Kuchens. Gleichheit die Verteilung des Kuchens.
Regel 2: Die Kosten eines Gutes bestehen aus dem, was man für den Erwerb eines Gutes aufgibt
Die Opportunitätskosten einer Gütereinheit bestehen in dem, was man aufgibt um die Einheit zu erlangen. Bei jedweder Entscheidung sollten sich die Entscheidungsträger der Opportunitätskosten bewusst sein, die jede mögliche Aktion begleiten. In der Regel haben die Entscheidungsträger dieses Bewusstsein.
Regel 3: Rational entscheidende Leute denken in Grenzbegriffen
Viele Entscheidungen im Leben richten sich darauf, bestehende Pläne in kleinen Schritten abzuwandeln. Ökonomen nennen dies marginale Veränderung. Ein rationaler Entscheider entscheidet sich dann für eine bestimmte Aktion, wenn der Grenznutzen der Aktion die Grenzkosten übersteigt. Marginale Veränderung: Abwandlungen eines bestehenden Aktionsplanes durch kleine Schritte.
Regel 4: Die Menschen reagieren auf Anreize
Weil Menschen bei Entscheidungen Kosten und Nutzen vergleichen, wird sich ihr Verhalten oft dadurch verändern, dass sich die Kosten oder die Nutzen verändern.
Regel 5: Durch Handel kann es jedem besser gehen
Die Volkswirtschaften haben ebenso Vorteile und Nachteile untereinander. Der Handel macht es für die nationalen Volkswirtschaften möglich, sich auf das zu spezialisieren, was sie am besten können und sich auf diese Weise einer größeren Bandbreite an Waren und Dienstleistungen zu erfreuen.
Regel 6: Märkte sind gewöhnlich gut für die Organisationen des Wirtschaftslebens
Eine Volkswirtschaft die ihre Ressourcen durch die dezentralisierten Entscheidungen zahlreicher Unternehmungen und Haushalte zuteilt, die zu diesem Zweck auf Märkten für Güter und Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) zusammenwirken. Marktwirtschaft. Haushalte und Unternehmungen wirken auf Märkten zusammen, als ob sie von einer unsichtbaren Hand zu guten Marktergebnissen geführt würden.
Regel 7: Regierungen können manchmal die Marktergebnisse verbessern
Es gibt zwei Gründe für eine Regierung, in der Marktwirtschaft zu intervenieren. Zur Steigerung der Effizient und zur Förderung der Gerechtigkeit. Das heißt auch bei: Marktversagen: Eine Situation, in der es einem sich selbst überlassenen Markt nicht gelingt, die Ressourcen effizient zuzuteilen. Externalität: Auswirkung der Handlung einer Person auf die Wohlfahrt eines Nachbarn (Ökologie). Marktmacht: Die Fähigkeit eines einzelnen oder einer kleinen Gruppe, den Marktpreis maßgeblich zu beeinflussen.
Regel 8: Der Lebensstandard eines Landes hängt von der Fähigkeit ab, Waren und Dienstleistungen herzustellen
Die Unterschiede der Lebensstandards sind fast gänzlich den nationalen Unterschieden der Produktivität zuzurechnen, d.h. den pro Arbeitsstunde produzierten Gütern.
Regel 9: Der Preis steigt, wenn zu viel Geld in Umlauf gesetzt wird.
Weil hohe Inflationsraten einer Gesellschaft Kosten aufbürden, ist es ein weltweites Ziel aller Staaten, die Inflationsrate niedrig zu halten. Inflation: Ein Anstieg des Preisniveaus der Volkswirtschaft.
Regel 10: Die Gesellschaft hat kurzfristig zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit zu wählen
Man befürchtet, mit der Absenkung der Inflationsrate einen Anstieg der Arbeitslosenquote zu bewirken. Dies bedeutet einen Zielkonflikt zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit.

2 Grundlagen wirtschaftlichen Handelns

Wirtschaften bedeutet planvolle Entscheidungen über die Herstellung und Verwendung knapper Güter zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung zu treffen.

2.1 Bedürfnisse, Bedarf, Nachfrage und Güter

Das Bedürfnis ist die Empfindlichkeit eines Mangels mit dem Wunsch, diesen Mangel zu beseitigen.

Bedürfnisse beziehen sich auf so unterschiedliche Lebensbereiche wie z. B.:

Jeder Mensch verspürt Bedürfnisse (z.B. Nahrungsmittel, Autos und Bildung), jedoch können nicht alle befriedigt werden, weil:

Bedürfnisse können dabei durch äußere Einflüsse hervorgerufen oder verändert werden (z.B. durch Werbung); sie hängen auch von Zeit und Raum ab, in dem die Menschen leben.

2.1.1 Folgende Bedürfnisarten werden unterschieden

Bedürfnis Beschreibung
Existenzbedürfnis Nahrung, Atmen, Wohnung, Schlafen, Kleidung
Kulturbedürfnis Reisen, Fernsehen, Wissen, Museen
Luxusbedürfnis Schmuck, Auto, ist Kulturbedürfnis von morgen
Individualbedürfnis Von einer Person empfundenes Bedürfnis
Gruppenbedürfnis Von mehreren Personen empfundenes Bedürfnis
Kollektivbedürfnis Von einer ganzen Gesellschaft empfundenes Bedürfnis
Offenes Bedürfnis Bewusste Konsumwünsche: Durst
latentes Bedürfnis Unbewusste Konsumwünsche (schlummern noch)
materielles Bedürfnis Trinken, Essen
immaterielles Bedürfnis Liebe, Zuneigung
wirtschaftliches Bedürfnis Kann durch wirtschaftliche Güter befriedigt werden
nicht wirtschaftliches Bedürfnis Luft, Sonne

2.1.2 Einteilung der Bedürfnisse

Bedürfnisebenen Bedürfnispyramide nach A. H. Maslow) Dringlichkeit der Bedürfnisse Art der Bedürfnisbefriedigung Bewusstsein der Mangelempfindung
Selbstverwirklichung Luxusbedürfnisse/Prestigbedürfnisse Bsp.: teurer Schmuck Individual-bedürfnisse Bsp.: Nahrung,Kleidung, Auto Offene Bedürfnisse Die einzelne Person weiß, welche Bedürfnisse sie hat. Die Bedüfrnisse sind ihr bewusst.
Ich-Bedürfnisse Bsp.: Anerkennung, Status, Zuneigung, Liebe, Interaktion
Soziale Bedürfnisse Bsp.: Daseinssicherung, Sicherung des Arbeitsplatzes Kulturbedürfnisse Bsp.: Information, Unterhaltung Kollektivbedürfnisse Bsp.: Rechtssicherheit, Landesverteidigung Verdeckte Bedürfnisse (Latente Bedürfnisse) Die Bedürfnisse sind unbewusst. Sie können z.B. durch das Kosumverhalten anderer Menschen und durch Werbung geweckt, vergrößert und gelenkt werden
Grundbedürfnisse Bsp.: Nahrung, Wohnung

In einer Marktwirtschaft erfolgt die Befriedigung individueller Bedürfnisse dadurch, dass solche Güter am Markt nachgefragt und gekauft werden, an denen Bedarf besteht.

Der Bedarf wird erst dann zur Nachfrage, wenn die notwendige Kaufkraft (z. B. Geld) vorhanden ist.

Zum Beispiel verspüren wir Hunger, haben genügend Geld, uns etwas zu essen zu kaufen und tun dies.

Die Nachfrage hängt ab von:

Zusammengefasst lässt sich folgendes festhalten:

Bedürfnis
(Motivationsstufe)
Bedarf
(Bewusstseinsstufe)
Nachfrage
(Handlungsstufe)

Güter nennt man die Mittel, mit denen Bedürfnisse befriedigt werden können.

Eigenschaften von wirtschaftlichen Gütern:

2.2 Volkswirtschaftliche Arbeitsteilung

[Vorteil: Mehr Produkte, Nachteil: Konkurrenz, Firmenverdrängung, Monopolisierung]

Sektor Beschreibung
Primärer Sektor
  • Urproduktion
  • Der Bereich, der sich direkt mit der Natur auseinandersetzt
  • Bergbau, Fischfang, Energie aus Sonne, Wind, Wasser
Sekundärer Sektor
  • Weiterverarbeitung
  • Industrie und Handwerk
Tertiärer Sektor
  • Handel und Dienstleistungen
  • Import, Export
quartärer Sektor Öffentliche Haushalte (Bund, Länder, Gemeinden)
quintärer Sektor private Haushalte

Internationale Arbeitsteilung

Export / Import von Waren und Dienstleistungen Gründe sind zum einen Bodenschätze, die nur in diesen Ländern vorhanden sind und des Weiteren die Möglichkeit der (im Vergleich zu den Bedingungen im Inland) billigeren Produktion im Ausland.

2.3 Betriebliche Leistungserstellung

Unter betrieblicher Leistungserstellung ist der Prozess einer aufgabengemäßen, zielgerichteten Kombination von Leistungsfaktoren zum Zwecke des Ausbringens verkaufsfähiger Ertragsgüter zu verstehen.

betriebliche Leistungserstellung

Die Leistungserstellung umfasst die Beschaffung der laufend benötigten Prozessvoraussetzungen (z. B. Rohstoffe, Vorstufenprodukte, Informationen....) sowie die arbeitsteilige Ausführung der für die Ausbringung der Ertragsgüter erforderlichen Arbeitsprozesse.

Seinem betriebswirtschaftlichen Inhalt nach ist der Vorgang der Leistungserstellung ein Prozess der Transformation von Werteinsatz (über Inputgüter) in Wertausstoß (in Form von Output Gütern). Der sich hierbei im Output zeigende Wertezuwachs gegenüber der Wertgröße, die über die Vorleistungen von anderen Unternehmen empfangen wird, ist ein Gradmesser für die Wertschöpfung im Unternehmensprozess.

Die Leistungserstellung ist - vom Standpunkt des Managements - der zu steuernde Basisprozess im Unternehmen.

Im so definierten Sinne wird Leistungserstellung einerseits abgegrenzt zum Absatz (als Leistungsverwertung) und zum anderen zu solchen Teilbereichen der Unternehmenstätigkeit wie Finanzierung, betriebliche Personalwirtschaft, aber auch Leitung und Verwaltung als dem steuernden und kontrollierenden Funktionsbereich im Unternehmen.

In diesem Sinne ist der Terminus Leistungserstellung allgemeiner als der Begriff Produktion, der zu sehr auf Fertigung (im verarbeitenden Gewerbe) orientiert.

2.3.1 Güterarten

Güterart Beschreibung
freie Güter Preis = 0, Luft, Sonne
wirtschaft. Güter Preis > 0, Kleidung
Missgüter Haben keinen Nutzen
Sachgüter Güter materieller Art
Dienstleistungen Güter immaterieller Art Arzt, Rechtsanwalt
Rechte Patente, Lizenzen
Konsumgüter Güter für den unmittelbaren Konsum
Produktionsgüter
(=Investitionsgüter)
Güter dienen zur Produktion anderer Güter
Gebrauchsgüter Dauerhaft nutzbar, Auto
Verbrauchsgüter Kurzlebige Güter die verbraucht werden, Nahrung
Substitutionsgüter Sind einander ersetzbare Güter, Butter Margarine
Komplementärgüter Sind einander ergänzende Güter, Auto Benzin
homogene Güter technisch gleichartige Güter Benzin
heterogene Güter Güter die sich in den Eigenschaften unterscheiden, Smartphone
inferiore Güter geringwertige Güter Güter fast im Urzustand
superiore Güter höherwertige Güter nach Verarbeitung Pommes
Güt. d. priv. Bedarfs Freizeitkleidung, Privatwohnung
Güt. d. öff. Bedarfs Straßen, öffentl. Verkehrsmittel

Bei dieser Unterteilung sind auch Kombinationsmöglichkeiten gegeben:

So ist das Auto eines Versicherungsvertreters während seiner Dienstzeit sowohl ein Gebrauchs-, als auch ein Produktionsgut.

2.4 Wirtschaften

Das Ungleichgewicht zwischen den Bedürfnissen einerseits und der Verfügbarkeit der Güter (knappe Güter), zwingt uns zum Wirtschaften.

D.h. unter Wirtschaften versteht man die planvolle und bedarfsgerechte Tätigkeit des Menschen, die Knappheit der Güter so weit wie möglich zu verringern. Da das Wirtschaften „planvoll“ und nicht ziellos von statten geht, wird nach dem ökonomischen Prinzip gehandelt, welches sich in zwei unterschiedliche Einzelprinzipien aufspaltet.

Ökonomisches Prinzip
Minimalprinzip:
hier wird ein gegebenes Ziel mit möglichst geringen Mitteln erreicht.
Maximalprinzip:
hier wird mit gegebenen Mitteln der größtmögliche Erfolg erzielt.

Entscheidungsträger beim Wirtschaften sind Wirtschaftssubjekte, die folgenden Tätigkeiten nachgehen:

Sowohl Staat als auch Unternehmen gehen bei der Verfolgung ihrer Ziele im Wesentlichen nach einem der beiden folgenden Prinzipien vor:

erwerbswirtschaftliches Prinzip: Ziel: → Gewinnmaximierung
gemeinwirtschaftliches Prinzip (Bedarfsdeckungsprinzip): Ziel: → Kostendeckung

Das Ziel der privaten Haushalte liegt in der Nutzenmaximierung.

2.5 Der vollkommene Markt

Der vollkommene Markt bezeichnet einen fiktiven Markt, der folgende Merkmale aufweist:

Treffen eine oder mehrere dieser Annahmen auf den Markt nicht zu, so spricht man von einem unvollkommenen Markt.

In der Realität ist diese Marktform nicht anzutreffen und wird auch nicht als anzustrebendes Ideal postuliert. Der Aktienhandel an der Börse gilt als Markt, der dem vollkommenen Markt am nächsten kommt.

2.6 Der vollkommene Wettbewerb

Das Prinzip des vollkommenen Wettbewerbs ist eine theoretische Idealvorstellung in der Volkswirtschaft, die es in dieser Form auf längere Sicht wohl nicht geben wird.

Damit die Bedingung des vollkommenen Wettbewerbs nämlich erfüllt ist, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Sowohl das Angebot als auch die Nachfrage sind bei dieser Marktform ausgeglichen. Es wird angenommen, dass ständig genügend Nachfrager existieren, die das Produkt kaufen möchten. Damit wird gleichzeitig angenommen, dass der Anbieter nicht unter seine preisliche Schmerzgrenze gehen muss, da die Nachfrage dauerhaft hoch genug ist.

Aber welche Voraussetzungen müssen für einen vollkommen Wettbewerb erfüllt werden und warum ist diese Form des Wettbewerbs so realitätsfern und deshalb nur ein theoretisches Modell?

2.7 Markt- und Preisbildung

Was ist ein Markt und wie entsteht er?

Als Markt bezeichnet man den Ort, wo Angebot und Nachfrage aufeinander treffen. Er entsteht durch Bedürfnisse (Mangelerscheinungen) der Konsumenten, welche befriedigt werden wollen.

Werden die Bedürfnisse nun mit Kaufkraft gedeckt, werden sie zum Bedarf. Ist der Bedarf der Konsumenten groß genug, wird er zur Nachfrage und trifft auf dem Markt auf das Angebot der Unternehmen. Das Angebot sind die produzierten Güter und bereitgestellten Dienstleistungen von Unternehmen.

Im Folgenden unterscheiden wir Marktarten und Marktformen:

2.7.1 Marktarten

Faktormärkte (diese entsprechen den 3 Produktionsfaktoren)
  • Arbeitsmarkt,
  • Bodenmarkt (=Immobilienmarkt) und
  • Kapitalmarkt (Kredit- und Geldmarkt)
Gütermärkte
  • Konsumgütermarkt
  • Investitionsgütermarkt

2.8 Marktformen

Die Marktform wird durch die Struktur, d.h. die Anzahl der Marktteilnehmer auf der Angebotsseite bzw. Nachfrageseite bestimmt.

Nachfrager
Anbieter
einer wenige viele
einer bilaterales Monopol
(z.B. Bundesdruckerei)
beschränktes Angebotsmonopol
(Spezialgerät für Kliniken)
Angebotsmonopol
(IHK)
wenige beschränktes Nachfragemonopol
(Rüstungsindustrie)
bilaterales Oligopol
(Flugzeugbauer)
Angebotsoligopol
(Tankstelle)
viele Nachfragemonopol
(Bundeswehrkekse)
Nachfrageoligopol
(Milchwirtschaft, Sportauto)
Polypol
(Autokauf)

2.8.1 Polypol

vollständige Konkurrenz (viele Anbieter und viele Nachfrager, z.B. Supermärkte, Reiseveranstalter)

Das Polypol ist eine Marktform, bei der sich viele (kleine) Nachfrager und viele (kleine) Anbieter gegenüberstehen und miteinander in Konkurrenz treten. Es gilt auf beiden Marktseiten (Angebots- und Nachfrageseite) als die bestmögliche Marktform der Marktwirtschaft, da ein reger Wettbewerb unter den Anbietern und Nachfragern herrscht. Der Anbieter kann den Marktpreis nicht direkt beeinflussen, da sein Marktanteil sehr gering ist. Preisänderungen durch einen Anbieter führen somit nicht automatisch dazu, dass die anderen Anbieter ebenfalls ihren Preis ändern. Die Nachfrager haben deshalb die Möglichkeit, zu anderen Anbietern, die ihre Güter billiger anbieten, zu wechseln. Die gleichen Bedingungen gelten für den Nachfrager, der den Marktpreis genauso wenig beeinflussen kann, da er nicht über die entsprechende Marktmacht verfügt. Er ist Mengenanpasser, d.h. der Preis ist für ihn eine gegebene Größe. Er kann also keine Preispolitik betreiben, sondern nur die Mengen selbst bestimmen, die er anbieten bzw. nachfragen will.

Polypol

2.8.2 Oligopol

Das Oligopol ist eine Marktform, bei dem beispielsweise wenigen Nachfrager vielen, relativ kleinen Anbieter gegenüberstehen (Nachfrageoligopol). Stehen wenigen Anbieter viele Nachfrager gegenüber, liegt ein Angebotsoligopol vor. Ein bilaterales Oligopol besteht, wenn es wenigen Nachfragern und wenig Anbieter für ein Gut gibt.

Das Oligopol ist eine in der Realität häufig anzutreffende Marktform (z.B. Automobilhersteller, Mineralölindustrie). Oligopole entstehen durch zunehmenden Konzentrationsprozess (Zusammenschluss von Unternehmen in immer größere Unternehmen und Konzerne) in der Wirtschaft und decken in bestimmten Wirtschaftsbereichen bereits den Bedarf von Gütern komplett ab. Oligopole gibt es auf nahezu vollkommenen Märkten wie auf dem Mineralölmarkt, auf denen weitgehend gleichartige (homogene) Güter gehandelt werden und auf unvollkommenen Märkten, auf denen Konsumgüter wie Waschmittel, Tabakwaren oder Computer verkauft werden.

Typisch für das Oligopol ist, dass die Marktmacht bei wenigen Anbietern liegt, die bei der Festlegung der Preise, Produktionsmengen und Güterqualitäten nicht nur die Reaktion der Nachfrager berücksichtigen müssen, sondern auch die Reaktion ihrer Konkurrenten. Da jeder Wettbewerber einen hohen Marktanteil besitzt, zwingen Maßnahmen eines Oligopolisten, z.B. Preisänderung oder neue PKW-Modelle eines Autoherstellers alle anderen Anbieter von Automobilen zu einer Gegenreaktion. Daraus kann sich ein scharfer Wettbewerb und Preiskampf unter den Oligopolisten um Marktanteile bis hin zum Verdrängungswettbewerb entwickeln. Preiskampf (Verdrängungswettbewerb) ist aber eher unrealistisch, weil es sehr riskant und kostspielig ist. Beim Gelingen nähert sich das Oligopol einem Monopol an. Andererseits besteht die Gefahr, dass die wenigen Anbieter einen Waffenstillstand schließen und ihr Marktverhalten untereinander abstimmen, z.B. Preisabsprachen. Abgestimmtes Verhalten (Kartelle, Preisführerschaft) ist realitätsnah, aber verboten (GWB Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellgesetz)).

Oligopol

2.8.3 Monopol

Das Monopol ist Marktform, bei der ein einzelnes Wirtschaftsunternehmen exklusiv eine Ware herstellt und vertreibt oder eine Dienstleistung erbringt. Durch die Monopolstellung kann der Monopolist den Preis der Ware bestimmen, insbesondere wenn sie nicht durch eine andere Ware substituierbar (ersetzbar) ist. Diese Marktsituation kann in der Regel nur durch politische Intervention aufrechterhalten werden, da ansonsten Wettbewerber auf den Markt drängen würden.

Es werden folgende Arten von Monopolen unterschieden:

Die verbreitetste Form des Monopols ist das Kartell. Das wichtigste Kartell weltweit bildet die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Organization of the Petroleum Exporting Countries, OPEC). Ein Kartell ist eine Organisation, die von Produzenten gebildet wird. Sein Zweck ist die Zuweisung von Marktanteilen, Kontrolle der Produktion und Regulierung der Preise.

In Deutschland besteht nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen von 1957 grundsätzlich ein Verbot der Kartellbildung. Generelle Ausnahmen erlaubt das Gesetz insbesondere bei der Verkehrswirtschaft, landwirtschaftlichen Erzeugervereinigungen, der Kredit- und Versicherungswirtschaft sowie bei der Energie- und Wasserversorgung (Kartellrecht, Bundeskartellamt). Gegenwärtig wird diskutiert, inwiefern im Bereich des digitalen Fernsehens (Pay-TV) ein Monopol entsteht, nachdem der Bertelsmann-Konzern und der Medienunternehmer Leo Kirch hierfür eine Allianz vereinbart sowie ein gemeinsames Unternehmen beschlossen haben.

Monopol

2.8.4 Angebots-/Nachfragefunktion

AngebotNachfrage

In einer Volkswirtschaft ist die Nachfragekurve/Angebotskurve nicht immer starr, sondern sie verändern sich für alle Güter stärker oder schwächer aufgrund von Aktionen und Reaktionen der Wirtschaftssubjekte.

Mögliche Fragestellungen:

Zur Messung oder Berechnung dieser Veränderungen verwendet man die Elastizitäten.

Preiselastizität = Mengenänderung des Gutes (in %) : Preisänderung des Gutes (in %)

Einkommenselastizität = Mengenänderung des Gutes (in %) : Einkommensänderung (in %)

Senkrechte Nachfragekurve = Nachfrage bleibt konstant, unabhängig vom Preis

2.9 Verkäufermarkt / Käufermarkt

2.9.1 Käufermarkt (Angebot > Nachfrage)

In einem Käufermarkt stößt ein breites Produkt- und Dienstleistungsangebot auf eine verhältnismäßig geringe Nachfrage. Es herrscht ein Überangebot von Produkt- und Dienstleistungen.

Zusätzliche Maßnahmen des Marketings sind erforderlich, um bei den Kunden Bedürfnisse und Kaufwünsche zu wecken.

Merkmale:
  • Preise sinken tendenziell
  • hohe Bedeutung eines aktiven Marketings
  • intensives Bemühen um Kunden erforderlich
  • systematische Beeinflussung der Kunden ist wichtig
  • es gilt der Grundsatz: "Produzieren, was man absetzten kann."
  • Befriedigung der Kundenwünsche und damit das Erreichen von Kundenzufriedenheit ist ein zentrales Ziel

2.9.2 Verkäufermarkt (Nachfrage > Angebot)

In einem Verkäufermarkt haben die Unternehmen als Anbieter von Produkten und Dienstleistungen eine starke Position im Markt. Ihr knappes Angebot steht einer hohen Nachfrage gegenüber.

Für sie steht die kostenoptimale Erstellung ihrer Leistungen im Vordergrund. Marketing zur Gewinnung von Kunden ist dabei kaum erforderlich.

Merkmale:
  • Preise lassen sich erhöhen
  • kein Zwang zur Suche nach Kunden
  • geringe Bedeutung der Kommunikationspolitik.
  • es gilt der Grundsatz: "Produzieren, soviel man kann."
  • starke Produktorientierung und weniger eine Verkaufsorientierung
  • zur Erreichung des Kunden ist die Mund-zu-Mund-Propaganda ein ausreichendes Mittel

Regionaler Verkäufermarkt:

Für einen Betrieb wäre es daher ideal, wenn er in einem Käufermarkt für sich die Situation eines "regionalen Verkäufermarktes" realisieren könnte.

Mögliche Maßnahmen:

2.10 Wirtschaftskreislauf

2.10.1 Der einfache Wirtschaftskreislauf:

Bei der einfachsten Betrachtung des volkswirtschaftlichen Kreislaufs werden folgende Bedingungen vorausgesetzt:

einfacherWirtschaftskreislauf

Der Kreislauf der Güter entsteht durch die produktiven Beiträge der Haushalte; er führt über die Betriebe wieder in die Haushalte zurück, wo die erzeugten Güter verbraucht werden.

Der Kreislauf des Geldes entsteht in den Betrieben bei den Leistungen für das Sozialprodukt und führt über die Haushalte wieder zurück in die Betriebe.

2.10.2 Der erweiterte Wirtschaftskreislauf

Im erweiterten Wirtschaftskreislauf wird davon ausgegangen, dass die privaten Haushalte einen Teil ihres Einkommens nicht für Konsumzwecke ausgeben, sondern Ersparnisse bilden und nicht alle produzierten Güter verbraucht, sondern teilweise für Investitionszwecke genutzt werden.

Das Bankensystem sorgt dabei für die Sammlung der Ersparnisse der privaten Haushalte und deren Weitergabe zur Finanzierung von Investitionen an die Unternehmen.

Die mit den volkswirtschaftlichen Ersparnissen finanzierten Investitionen sorgen für eine stetige Verbesserung und Erneuerung der Maschinen und Anlagen in den Unternehmen.

Durch die Einbeziehung des Staates (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung) wird der Wirtschaftskreislauf nochmals erweitert. Der staatliche Sektor produziert öffentliche Güter und leistet Transferzahlungen (z.B. Sozialleistungen, Subventionen), dafür fließen ihm Mittel zu (z.B. Steuern und Gebühren), die von Unternehmen und privaten Haushalten aufgebracht werden.

erweiterterWirtschaftskreislauf

2.10.3 Der vollständige Wirtschaftskreislauf

In diesem Wirtschaftskreislaufmodell kommt neben den Komponenten Haushalt, Unternehmen, Staat und Kapitalsammelstellen ein weiterer Sektor hinzu, der die anderen Sektoren beeinflussen kann: Ausland

Dieser Sektor kann unterschiedliche Auswirkungen und Prozesse mit sich bringen:

2.11 Wirtschaftspolitische Zielsetzungen

Auszug aus dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG) vom 23. Mai 1949.

Art. 109 Bund und Länder haben bei ihrer Haushaltswirtschaft den Erfordernissen des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts Rechnung zu tragen.

Auszug aus dem Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft, vom 8. Juni 1967

§1 Bund und Länder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Maßnahmen sind so zu treffen, dass sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichen Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen.

2.11.1 Die wirtschaftspolitischen Ziele des Stabilitätsgesetzes

Quantitative Ziele

Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum, gemessen an der Veränderungsrate des realen BIP
hoher Beschäftigungsstand (Vollbeschäftigung), gemessen an der Arbeitslosenquote
Stabilität des Preisniveaus (keine Inflation), gemessen am Lebenshaltungskostenindex = Verbraucherpreisindex
außenwirtschaftliches Gleichgewicht (Leistungsbilanzausgleich, stabiler Außenwert)
gemessen am Außenbeitrag (Differenz zwischen allen finanziellen Mitteln, die aus dem Inland ins Ausland fließen und denen, die aus dem Ausland ins Inland fließen). Angemessen bedeutet, dass er im Durchschnitt Null sein sollte.

Auch hier bestehen zwischen den wirtschaftspolitischen Zielen vielfältige und zum Teil gegensätzliche Beziehungen:

In diesem Zusammenhang sind vier Beziehungen auszumachen:

Qualitative Ziele

Verteilungsgerechtigkeit:
Dies bedeutet, dass Einkommen und Vermögen in der Bevölkerung möglichst gerecht verteilt sind.
Allerdings ist es kaum möglich, zu sagen, wie eine „gerechte Verteilung“ aussehen müsste. In allgemeiner Form lässt sich sagen, dass die Verteilung sowohl die Leistung des Einzelnen (vor allem seine Arbeitsleistung) als auch seinen Bedarf (z.B. Familie) berücksichtigen sollte.
Aus der Lorenz-Kurve lässt sich ablesen, wie das Gesamteinkommen einer Volkswirtschaft auf einen bestimmten Anteil der Bevölkerung entfällt (z.B. 90% des Einkommens fallen auf 10% der Bevölkerung etc.).
Im folgenden Beispiel (siehe Graphik) einer hypothetischen Lorenz-Kurve (rot) steht z.B.:
Punkt A für die Aussage „die unteren 40% der Bevölkerung besitzen 10% des gesamten Einkommens“, und Punkt B für die Aussage „die unteren 90% der Bevölkerung besitzen 60% des gesamten Einkommens“.
Die Lorenz-Kurve befindet sich immer zwischen zwei Linien, der „Linie der totalen Gleichheit“ und der „Linie der totalen Ungleichheit“. Dabei steht die „Linie der totalen Gleichheit“, d.h. die „45 Grad Linie“ (hier grün), für eine gleiche Einkommensverteilung. Entlang dieser Linie ist das Einkommen aller Individuen identisch, da an jedem Punkt auf der Linie gleichermaßen gilt: x% des Einkommens werden von x% der Bevölkerung verdient (z.B. 50% des Einkommens entfallen auf genau 50% der Bevölkerung, 60% der Einkommens entfallen auf 60% der Bevölkerung usw.).

Umweltschutz

Umweltschutz soll die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen – auch für die kommenden Generationen – erhalten.

Weil dieses Ziel angesichts der fortschreitenden Umweltschädigungen immer wichtiger wird, ist es 1995 in das Grundgesetz aufgenommen worden.

Grundgesetz Artikel 20a (Umweltschutz)
Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßnahmen von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.

Wirksamer Umweltschutz kann aber nicht allein durch staatliches Handeln erreicht werden. Jeder Einzelne muss im Rahmen seiner Möglichkeiten durch die Schonung und Pflege der natürlichen Ressourcen dazu beitragen. Der Staat hat hierbei die Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen und dann deren Umsetzung zu verfolgen und zu prüfen. Um die Umsetzung schneller und besser zu erreichen kann sich der Staat eines sogenannten „Belohnungssystems“ als sogenanntes „Anreizsystems“ bedienen.

Da das Thema Umweltschutz nicht an den Ländergrenzen halt macht, sondern es sich hierbei um ein wichtiges globales Thema handelt, ist auch eine global ausgerichtete Umweltpolitik von Nöten.

3 Arbeitsmarkt / Arbeitsmarktpolitik

3.1 Arbeitslosigkeit

Erscheinungsform ("Art") saisonale Arbeitslosigkeit konjunkturelle Arbeitslosigkeit strukturelle Arbeitslosigkeit
(Primäre) Ursache Mangelnde Nachfrage zu bestimmten Zeiten des Jahres (z.B. Baugewerbe, Tourismus) Konjukturschwankungen im Wirtschaftsablauf führen in Rezessionsjahren zu Nachfrageschwächen am Arbeitsmarkt Mangelnde Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt
  • technologischer Wandel (Änderung der nationalen Wirtschaftsstruktur)
  • internationale Arbeitsteilung, Globalisierung
Dauer in der Regel vier bis sechs Monate langfristig kann auch zu Massenarbeitslosigkeit führen langfristige Arbeitslosigkeit
Bekämpfungsansatz Abschwächung des Saisonfaktors Steigerung der Gesamtnachfrage; staatliche Stabilitätspolitik Schuklungen, Umschulungen auf neue Qualifikationen
Friktionelle Arbeitslosigkeit
  • Übergang von einer Arbeitsstelle zu einer anderen
  • In der Regel nur von kurzer Dauer und unvermeidlich

3.1.1 Die Hauptursachen der Arbeitslosigkeit

Kostendruck durch den Wettbewerb in einer ungezügelten Marktwirtschaft

Sämtliche Unternehmen der weltweiten Marktwirtschaft können nur überleben, wenn sie genügend ihrer Produkte verkaufen können. Dabei müssen sie Preise erzielen, die zumindest kostendeckend sind. Da die meisten Produkte in einem harten Wettbewerb stehen, sind am Markt nur relativ niedrige Preise durchsetzbar. Folglich sind die Unternehmen gezwungen, die Kosten auf das kleinst mögliche Maß zu senken.

Automation

Die Produktionstechnologie wird vor allem seit dem Beginn des Siegeszugs der Computer in den 1970er-Jahren immer leistungsfähiger und immer billiger. Der ewige betriebswirtschaftliche Zwang zur Kostensenkung (siehe Ursache Nr. 1) treibt das Erfindungsreichtum der Rationalisierer immer weiter an. Immer kompliziertere menschliche Arbeit kann (bei oftmals höherer Qualität) durch Maschinen / Roboter / Computer kostengünstiger ersetzt werden – sogar in Niedriglohnländern.

Ewige Produktivitätssteigerungen

Die Steigerung der Produktivität ist eine Folge von Automation und Rationalisierungen der Produktionsprozesse. Sie bedeutet, dass pro Arbeitnehmer immer mehr Güter/Leistungen produziert werden. Daraus folgt gleichzeitig, dass zur Produktion einer bestimmten Menge Güter/Leistungen immer weniger Menschen erforderlich sind. Während z.B. die weltweite Industrieproduktion von 1995 bis 2002 um 30% stieg, wurden 11% aller Industriearbeitsplätze überflüssig. Im Jahr 2003 waren in Deutschland 9 Arbeiter so produktiv wie 10 Arbeiter nur 2 (!) Jahre zuvor.

Ewiger Globaler Wettbewerb bei Lohn, Bildung und Produktivität

Arbeitnehmer aus Niedriglohnländern sind weitaus billiger als z.B. Westeuropäer. Der Lohnabstand bleibt mittelfristig gewaltig, weil dort hunderte Millionen Arbeitsuchende nachdrängen. Für das Jahr 2025 erwartet die UNO zudem rd. 1,4 Mrd. zusätzliche Erdenbürger. Dann werden global rd. 6 Mrd. Erwerbsfähige gegenseitig ihre Löhne unterbieten müssen, um irgendwie zu überleben. Selbst wenn langfristig die Prognose der Experten eintritt, dass in den Niedriglohnländern die Löhne etwas steigen, kann dies nicht ausreichen, um das Lohngefälle zu Industrienationen wie Deutschland nennenswert zu verringern. Zudem schlägt die andere Seite dieser Zwickmühle zu: Je höher die Löhne steigen, desto stärker sind z.B. die chinesischen und indischen Unternehmen gezwungen (ebenso wie seit den 1960er-Jahren die Japaner und seit wenigen Jahren die Osteuropäer), auf hochwertige Produkte umzusteigen und den Industrienationen auf ihren existentiell wichtigsten Märkten Konkurrenz zu machen – bei ähnlicher Qualität zu wesentlich niedrigeren Preisen. Der globale Bildungswettbewerb führt auch zu immer mehr hochqualifizierten Arbeitnehmern in Niedriglohnländern. Deren steigende Qualifikation baut den Wissensvorsprung der Industrienationen immer weiter ab, so dass unsere Existenzgrundlage schwindet. Es ist für die Arbeitnehmer der bisherigen Industrienationen unmöglich, einen ausreichenden Bildungs- und Produktivitätsvorsprung zu wahren.

Ungleichheit zwischen Bedarf und Qualifikation

So lange der technische Fortschritt nicht stehen bleibt, wandelt sich die Arbeitswelt – also immer. Alte Berufe/Aufgaben fallen weg, neue entstehen. Die neuen Berufe/Jobs sind jedoch nicht nur zahlenmäßig weitaus weniger als die alten – sie stellen auch immer höhere Anforderungen. Deshalb haben immer mehr Arbeitswillige mit veralteten/unerwünschten Eigenschaften (Qualifikation, Alter, etc.) trotz offener Stellen keine Chance mehr am Arbeitsmarkt. Auch der Qualifikationswettbewerb verschärft sich parallel zum technologischen Fortschritt. Die ewig steigenden Anforderungen haben zur Folge, dass immer mehr Tätigkeiten für durchschnittlich begabte Menschen unerreichbar sind.

3.1.2 Folgen der Arbeitslosigkeit

Für den Einzelnen:

Psysische Auswirkungen Physische Auswirkungen
Zunahme von Abnahme von Auftreten von Zunahme von
Feinseeligkeit, Depression, Angst, Psychatrische Auffälligkeiten, Besorgtheit, Anspannung, Stress, Selbstmordversuche, Alkoholmissbrauch, Gewalttätigkeit, Ärger, Furcht, Paranoia, Einsamkeitsgefühle, Pessimismus, Soziale Isolierung, Verzweiflungsgefühle Selbstwertgefühl, Positive Gefühle, Freudvolle Erlebnisse, Lebenszufriedenheit mit sich selbst, Anspruchsniveau, Zutrauen in eigene Kompetenzen, Konzentration, Persönlicher Identität, Erfolgsgefühlen, Sozialer Identität Kopfschmerzen, Bauchbeschwerden, Schlafproblemen, Energieverlust, Antriebslosigkeit, Verschlechterung des Gesundheitszustandes, Tod durch Schlaganfall, Herz- und Nierenerkrankungen Behinderung, Einschränkungen, Tagen mit Unwohlbefinden, Herzbeschwerden, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Geschwüren, Lungenbeschwerden, Atembeschwerden, Sehbeeinträchtigungen, Cholesterinspiegel, Ärztlichen Krankheitsdiagnosen

Für die Unternehmen

Für die Gesellschaft

3.1.3 Arbeitsmarktpolitik

Passive Arbeitsmarktpolitik Aktive Arbeitsmarktpolitik
Hauptziel: Ausrichtung von Lohnersatzleistungen Hauptziel: (Re-)Integration in den Erwerbsprozess

Die „passive“ Arbeitsmarktpolitik regelt die Leistungen für Einkommensausfälle infolge von Arbeitslosigkeit.

Die „aktive“ Arbeitsmarktpolitik regelt die – nach sozialen Gruppen, Regionen, Betrieben oder Industrien differenzierten – Maßnahmen zur Beeinflussung der Beziehungen zwischen dem Angebot und der Nachfrage auf und zwischen über- und innerbetrieblichen Arbeitsmärkten.

Arbeitsmarktpolitik im weiteren Sinn ist darauf ausgerichtet, das Arbeitskräfteangebot und die Arbeitskraftnachfrage sowie die Beziehungen zwischen beiden Größen gesamtwirtschaftlich zu steuern, also ohne gezielte Differenzierung z.B. nach Betrieb, Industriezweig oder Region.

Instrumente der passiven Arbeitsmarktpolitik

Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik

Zur (Wieder-)Eingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsprozess (insbesondere. Eingliederung von Problemgruppen) gibt es folgende Instrumente:

auf Arbeitsmarktausgleich gerichtete Maßnahmen Arbeitsangebotsorientierte Maßnahmen Arbeitsnachfrageorientierte Maßnahmen
Arbeitsvermittlung, Oriertierung und Beratung, Übergang von der Schule in die Berufsausbildung, Transfermaßnahmen Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung, Berufsausbildungsbeihilfe, Gründungszuschuss Eingliederungszuschüsse, Beschäftigungsmaßnahmen, Lohnsubventionen